Meine Reise in den Nahen Osten

Tag 11

Ankunft in Jordanien.

Insgesamt waren wir nun 6 Leute, die zusammen in der Osttürkei und Kurdistan-Irak waren, und nun zusammen blieben. Gemeinsam sind wir weiter nach Jordanien geflogen. Die restliche „Kurdistan-Gruppe“ flog leider größtenteils wieder zurück nach Deutschland. Der Flug, sowie mein Flug-Gesprächspartner (ein New-Yorker mit eigener Anwaltskanzlei) waren recht angenehm. In Amman wurden wir von Illad, einem sympathischen Deutsch-Jordanier empfangen, der den Jordanien-Teil unserer Reise organisiert hatte. Interessant war, dass ich vor der Reise kein Wort mit ihm gesprochen habe, da ich ein Vorbereitungstreffen in Bonn aufgrund meines Reserve-Offizierslehrgangs verpasste. Dennoch wusste Illad ziemlich viel von mir. Anscheinend hat meine Mutter ihn vorher dreimal angerufen, um sicherzustellen, dass „ihrem Sohn auf der Reise ja auch nichts zustößt“. Sonst gibt’s Ärger. Ja, ja, Mütter. Na gut, immerhin ist meine Mum sehr fürsorgsam, was ja auch schön ist.

Amman

Nach der Ankunft im Hotel in Amman habe ich festgestellt, dass wir dort nicht die einzigen Deutschen sind. Zur selben Zeit sind etwa 50 Lehramtsstudentinnen dort untergebracht, die an der hiesigen Uni für einen Monat Deutsch unterrichten. Nach dem ich später weitere Teilnehmer meiner Reisegruppe, die erst in Amman dazu gestoßen sind, traf und begrüßte,  fuhren wir ins Lieblingscafé von Illad und haben den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Tag 12

Am nächsten Tag fuhren wir direkt zum Toten Meer. Warum heißt es das Tote Meer?! Richtig, weil in diesem Meer kein einziger Fisch und keine einzige Pflanze lebt. Das Wasser ist schlicht zu salzig. Von Amman ist das Meer gerade eine Stunde entfernt. Unsere „Location“ war eine Art Hotel-Ressort, nur eben ohne Hotel. Es war möglich, direkt im Toten Meer zu schwimmen, und sich direkt danach am Pool zu sonnen und zu entspannen. Das Tote Meer ist großartig. Es wird zwar viel davon berichtet, dass aufgrund der höchsten Salzkonzentration der Welt niemand untergehen kann und man sich somit nicht einmal bewegen muss, um an der Meeresoberfläche zu bleiben. Das Gefühl kann man so genau jedoch gar nicht beschreiben. Ich fühlte mich wie eine leere Plastikflasche, die immer wieder an die Oberfläche getragen wird. Anders ausgedrückt war ich schwerelos, was ein eigenartiges und doch sehr schönes Gefühl darstellt. Ich probierte auch einige Tropfen des Salz-Wassers. Das schmeckt nicht unbedingt nach Salz, das fühlt sich so an, als ob man sich seine Geschmacksnerven leicht verätzt. Ich nenne es „Ultra-Salz“, um die Empfindung meiner Geschmacksnerven wiederzugeben. Wehe dem, der etwas davon in die Augen abbekommt! Nachdem wir abends alle erschöpft waren, ging es wieder zurück ins Hotel.

Im Toten Meer

Tag 13

Am nächsten Morgen haben wir Koffer gepackt und sind in den Süden Jordaniens gefahren. Wir wollten uns die weltberühmte Felsenstadt Petra anschauen. Das ist eine antike Stadt, durch die früher die Seidenstraße verlief, und die dadurch reich, berühmt, und mächtig war. Die Bewohner haben ihre Wohnstätten direkt in die Felsen gehauen. Die Stadt ist sehr beeindruckend und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, besonders prächtig ist die Schatzkammer.

Petra

Petra

Weiter ging’s in den südlichsten Teil von Jordanien, in die Stadt Aquaba am Roten Meer. Unser Hostel lag 5 Minuten vom Strand entfernt. Als Hostel würde ich es jedoch nicht bezeichnen, sondern als eine Art riesige Chill-Out-Area mit unseren Bungalows, „Relax-Ecken“ und einem Pool.

Tag 14

Als ich frühmorgens mit meinen Begleitern am Frühstückstisch saß, erblickte ich ein Tauchcenter. Von Neugier gepackt lernte ich schnell den australischen Besitzer kennen und für einen recht günstigen Preis sollte ich mich schon bald in 20 Meter Tiefe im Roten Meer wiederfinden. Der Tauchguide hat eine Gruppe mit einer Deutschen, einem Schweizer Pärchen und mir zusammengestellt. Zusammen erkundeten wir die Unterwasserwelt im Roten Meer, welche schlicht wunderschön ist, es gibt viele Korallenriffe und exotische Fische. Wir haben sogar ein gesunkenes Schiff entdeckt.

Den restlichen Tag verbrachte ich wieder gemütlich mit meiner Gruppe am Strand, am Pool, und in der Chill-Out-Area. Hiermit sei auf meinen Sonnenbrand verwiesen. So ist es nun mal, wenn man braun werden möchte. Lektion gelernt, abgehackt…

Tag 15

Nach dem Aufstehen und Koffer packen sind wir nach Norden gefahren, direkt in die Wüste, in das Gebiet Wadi Rum. Wir trafen auf Beduinen, die uns mit Jeeps abgeholt haben und mit uns eine Jeep-Wüstentour unternahmen. Es ist herrlich, bei knapp 45 Grad durch die Sanddünen zu fahren, und die Felsen, die direkt in der Wüste sind, vorbeirauschen zu sehen. Ab und zu machten wir eine kleine Pause, um Tee zu trinken (Verhältnis Zucker:Tee – 1:1; nice to know – Araber mögen Süßes). Wir hielten oft an, um die verschiedenen Sanddünen zu besteigen und die wunderschöne Landschaft fotografisch festzuhalten.

Wadi Rum

Wadi Rum

Gegen Abend haben wir unser Nachtlager in der Nähe einer Felsformation aufgeschlagen. Wir spielten Fußball und vermischten dabei die Teams, sodass wir und die Beduinen nicht gegen-, sondern miteinander spielten. Natürlich hatten die Beduinen einen enormen Konditionsvorteil in der trockenen Wüstenluft, was jedoch sicherlich nicht die schmerzliche Niederlage meines Teams erklärt (Teams waren ja wie gesagt, durchmischt). Schließlich haben wir noch bis tief in die Nacht auf mitgebrachten Matratzen und Teppichen gesessen, geredet, und die Sterne angeschaut. Da mein Abenteuerdrang mich auch in der Wüste nicht in Ruhe lässt, verließ ich die Gruppe für etwa anderthalb Stunden und irrte nachts allein durch die Wüste. Ich habe die Stille und Dunkelheit genossen und konnte danach zufrieden wieder zur Gruppe dazu stoßen. Später haben direkt auf Matratzen unter freiem Sternenhimmel übernachtet.

Wadi Rum

Tag 16

Es war ein schönes Gefühl, als einer der ersten aufzuwachen und die ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Im Lager herrschte noch komplette Ruhe, also bin ich mit einigen anderen „Frühaufstehern“ (als Student gehöre ich eindeutig zur Spezies der Langschläfer) aufgestanden, und gefühlte 3453 Fotos von der morgendlichen Landschaft gemacht. Schließlich räumten wir unser Lager und fuhren zurück nach Amman. Wir sind am späten Nachmittag angekommen, und sind abends wieder ins Stammcafé von Illad, dem Hauptorganisator, gegangen, um uns bei ein paar Drinks (einige bevorzugen eher Shishas) zu entspannen.

Tag 17

Was im Vergleich zu meinen ersten 10 Tagen meines Nahost-Trips auffällt, ist dass wir uns nun etwas mehr entspannen können. Da in Kurdistan-Irak täglich drei bis vier offizielle Termine anstanden, haben wir in Jordanien etwas mehr Zeit für uns. Heute haben wir uns den ganzen Tag in der Stadt aufgehalten, dabei die Altstadt von Amman erkundet, sind hinauf auf die Jahrtausende alte Zitadelle gewandert, die schon von Römern bewohnt war und haben nebenbei das typischste Jordanische Essen – Falafeln, gegessen. Abend haben ein paar Teilnehmer unserer Gruppe Referate zu Institutionen gehalten, die wir noch besuchen sollten.

Amman

Tag 18

Auch in Jordanien haben wir einige offizielle Termine. Heute haben wir das Königliche Institut für interreligiöse Zusammenarbeit besucht. Das ist eine Institution, die sich mit interreligiösen Fragen und Beziehungen beschäftigt und zwischen verschiedenen Religionen vermittelt und sie einander näher bringt. Wir trafen den Vorsitzenden, den ehemaligen jordanischen Außenminister, der eng mit Hans-Dietrich Genscher und dem ehemaligen US-Außenminister James Baker befreundet ist. Der Vorsitzende ist ein älterer Herr um die 70, ist charismatisch und weiß um seine Wirkung auf die Zuhörer. Er hat uns gut unterhalten, und viele neue Erkenntnisse geschenkt, auch wenn rückblickend einige Ansichten in unserer Gruppe danach kontrovers diskutiert wurden, z.B. das Existenzrecht Israels, und wie die arabische Welt es betrachtet.

Nach diesem Termin besuchten wir das Jordanische Institut für Diplomatie, wo alle Diplomaten, wie beispielsweise Botschafter Jordaniens, ausgebildet werden. Einer der Chefs hielt vor uns ein längeres Referat zum Bürgerkrieg in Syrien. Anschließend diskutierten wir mit ihm über dieses Thema.

Nachmittags erkundeten wir mit ein paar Teilnehmern auf eigene Faust die Hauptstadt Jordaniens.

Amman

Was auffällt, ist wie freundlich die Jordanier zu uns Ausländern sind. Wahrscheinlich gibt es eine Kampagne im Land, um jeden Touristen, zu jeder Tageszeit und an jedem Ort mit den Worten „Welcome in Jordan“ zu begrüßen.

Was meinem extrem  aufmerksamen Blick auch nicht entgangen sein konnte (ja, ja, ich übertreibe manchmal 😉 ), sind die vielen Porträtbilder des Jordanischen Königs. Sie sind schlicht überall. Der König lächelt von Hauswänden oder Geschäften, mal im Anzug, mal in Militäruniform, mal mit seiner schönen Frau, mal mit der gesamten Familie. Ich kenne ihn leider nicht, jedoch erscheint er auf den Fotos sehr sympathisch und volksnah.

Das war eine kurze Zusammenfassung meiner letzten Tage. Verfolgt fleißig weiter meinen Blog, euch allen noch eine schöne Restwoche 🙂

Euer Artjom

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